Souvenir Stories

Hier findet ihr alte und neue Beiträge zum Thema REISE in loser Reihenfolge, also nicht chronologisch.

Das Pizza-Ranking

Wenn man sich im Urlaub nicht auf Fleisch, Fisch oder Vegetarisch einigen kann und irgendwie sinnlos umherstreunt …. eines ist klar: Pizza geht dann irgendwie doch immer und tatsächlich ergibt es sich halt mindestens einmal im Urlaub, dass es Pizza gibt.

Das kennt man, das mag man, das gibt es mit Fleisch, Fisch oder Vegetarisch. Da kann man nicht viel falsch machen – sollte man meinen.

Und erst recht, wenn man in Italien urlaubt – sollte man meinen. Und dennoch war die schlechteste Pizza unsere Lebens eine, die wir in Italien auf der Insel Elba bestellt haben. Ich schreibe hier bewusst das Wort „bestellt“, denn wirklich gegessen haben wir sie nicht und genossen schon gar nicht. Da half es auch nicht, dass an der Wand der Pizzeria ein Foto vom Pizzabäcker mit Mick Hucknall hing, der hier offenbar auch schon zum Speisen eingekehrt war.

Dieser Tag war der Gründungstag meines Pizza-Rankings.

Diese Pizza auf Elba also war die schlechteste Pizza. Die zweitschlechteste Pizza gab es in Ungarn in der Stadt Keszthely am Plattensee in einer Pizzeria in der Fußgängerzone, bezeichnenderweise in der Nähe des Horrormuseums. Das brauchten wir dann nicht mehr besuchen. Die Pizza reichte aus.

Aber natürlich haben wir in Italien auch sehr gute Pizza gegessen, in einem kleinen Restaurant in der Nähe von Faenza und auch an einem Straßenverkauf in Siena war es wirlich sehr lecker.

Das Pizza-Ranking hat aber seit dem diesjähringen Urlaub einen neuen Spitzenreiter. Denn die beste Urlaubspizza, die wir bisher genießen durften, gab es in England auf der Isle of Wight im Ort Yarmouth, wo die Fähre von und nach Lymington verkehrt.

Wir hatten noch Zeit bis zur Abfahrt der gebuchten Fähre und in der Nähe des Hafens stand ein Pizzawagen mit echtem Holzofen. Tatsächlich hat der Pizzabäcker immer neues Holz direkt in den hinteren Teil des Pizzaofens geschoben. So sah der Wagen aus:

Pizzawagen

Nebendran standen zwei kleine Tische mit Stühlen. Wenn man aufs Bild klickt und vergrößert, kann man rechts auf der Tafel die Pizzas sehen, die an diesem Tag im Angebot waren. Hier wird wohl frisch eingekauft was der Markt hergibt und dann verwertet, denn es gab nur 5 Sorten.

Und hier ein Foto des Spitzenreiters des Pizza-Rankings:

Pizzawhite

Besonders schön war dann auch, dass ich diese Pizza auf einer Parkbank mit Blick auf den Hafen essen und genießen konnte.

In diesem Sinne: Weiterhin guten Appetit!

(2005)

Eine Kreuzfahrt ist kein Ponyhof 🙂

…..unter Umständen….

Also, es gibt wirklich sehr viel zu erzählen. Wie der Titel des Beitrags schon sagt, haben wir viel erlebt. Wunderbare Sachen, die wir sonst vermutlich nie erlebt hätten und die wir niemals vergessen werden (dazu an anderer Stelle mehr)…aber auch Anti-Ponyhof-Geschichten, für die niemand was kann. Es reicht von „dumm gelaufen“ über „Pech gehabt“ bis zu „was für ein Horror“.

Was uns während der gesamten Reise das Leben echt schwergemacht hat, war das Wetter. Ja, man kann davon ausgehen, dass im März in der Nordsee der ein oder andere Sturm weht. Aber muss er WIRKLICH 14 Tage lang wehen?

Als wir in Hamburg ablegten, sagte der Kapitän noch, dass uns auf offener See, also so ab kurz nach Mitternacht, Windstärke 10 erwartet und wies noch darauf hin, dass die Stärke gar nicht so das Problem sei. Sondern, dass der Wind von schrägt vorne auf das Schiff treffen werde und man so die Wellen nicht „abreiten“ kann, sondern dass man ordentlich durchgeschüttelt wird.

Und das was dann folgte, war für uns der blanke Horror. Es ging so weit, dass ich sogar im Bett in der Kajüte umherkugelnd (ja…genau) dachte „da steige ich lieber in ein Flugzeug“.…. und DAS will schon was heißen…

Ich war zu Beginn der Nacht fest entschlossen, KEINE Medikamente zu nehmen. Von frühreren Fährüberfahrten wussten wir ja, dass es immer gut ist wenn man liegt und was im Magen hat und so das Schlimmste überstehen kann. Nicht aber, wenn die Wellen von schräg vorne kommen und man dazu auch noch seine Kabine sehr weit vorne im Bug hat.

Also da ist zunächst mal der LÄRM der entsteht, wenn die Wellen von vorne seitlich unter das Schiff klatschen und man jedes mal das Eindruck hat, es reißt das Schiff auseinander. Schon alleine der Lärm macht ein Schlafen nicht möglich. Hinzu kam Angst, welche mich – als bekennende Schisserin vor dem Herrn – vom Schlafen abhielt.

Durch diese schrägen Wellen entstand eine Rollbewegung des Schiffes und man rollte im Bett ganz automatisch mit. Man muss sich das so vorstellen, als liege man in einer Röhre und wird in der Röhre am inneren Rundrand immer im Kreis geschleudert. Dazu der Lärm….ich kann euch sagen…mein Vorsatz zu den Medikamenten war dann nach unzähligen gefüllten Spuckbeuteln dahin….

Wie wir erfuhren, war die Krankenstation in der Zeit von Samstag bis Montag sehr gut frequentiert und es wurden Liegen vom Pooldeck in Reih und Glied vor der Krankenstation auf dem Flur aufgebaut um alle angeschlagenen Passagiere unterzubringen.

Das ging von kurz nach Mitternacht (Samstag auf Sonntag) über den gesamten Sonntag und die gesamte Nacht von Sonntag auf Montag. Montag in den frühen Morgenstunden wurde es etwas weniger weil wir da dann auf Haugesund zufuhren und durch Fjorde etwas geschützt waren….

In Haugesund haben wir einen kleinen Busausflug nach Skudneshavn gemacht. Hat sich nicht wirklich gelohnt, war aber vom Umfang her dennoch genau richtig für den Tag – nicht zu schwierig und einfach mal an Land rumlaufen…passt..

Um 17 Uhr sollten wir in Haugesund wieder ablegen und Richtung Bodø fahren. Als sich um 17.30 Uhr nichts tat, kam dann eine Durchsage des Kapitäns. Es habe einen „Vorfall gegeben und wir bekommen keine Freigabe der norwegischen Behörden“ um den Hafen zu verlassen. Er wollte sich später noch melden.

Das tat er auch mit der Meldung, dass wir über Nacht in Haugesund bleiben müssen und dass Bodø für uns als Station ausfallen müsste. Das war für uns persönlich jetzt nicht so dramatisch – da hatten wir sowieso nichts geplant. Da draußen auf dem Meer immer noch Sturm herrschte, war ich auch sowieso froh, die Nacht ruhig und fest vertäut im Hafen verbringen zu können. Es war eine Wohltat.

Der Flurfunk funktioniert auch auf Schiffen sehr gut. Es sprach sich herum, dass auf Deck 7 eine Kabine von einer wichtig aussehenden Person in Security-Bekleidung bewacht würde. Die Frage, dich ich mir stellte war: Darf da keiner rein oder darf da keiner aus?

Am nächsten Morgen – Die Bild-Zeitung wusste es schon vor uns – kam dann die Mitteilung vom Kapitän, dass zwei Corona-Verdachtsfälle an Bord seien, dass die Leute in ihrer Kabine sind und dass ein Test gemacht wurde und wir nicht eher wieder aus Haugesund abfahren können bis das Ergebnis vorliegt. Das wurde für Mittag/Nachmittag erwartet.

Ich erfreute mich derweil weiter an der Tatsache, dass ich gerade laufen konnte und mich ausruhen konnte von der strapaziösen Fahrt von Hamburg nach Hausgesund.

Dass wir mit unserer Reise ins Fernsehen kommen hätte ich auch nicht gedacht..

Immerhin waren die Testergebnisse negativ und am Dienstag um 15.30 Uhr etwa segelten wir dann auf direktem Weg nach Tromsö.

Die betreffenden Personen haben das Schiff verlassen und wurden den norwegischen Behörden übergeben, was auch immer das bedeutet. Sie wurden jedenfalls mit einem Taxi abgeholt. Es war wohl so gewesen, dass ein Kollege des Mannes positiv getestet worden war und die Ämter den bei uns Mitreisenden auf dem Kreuzfahrtschiff informiert haben. Er wusste das also vor Reiseantritt nicht.  Die betreffenden Pesonen haben dann umgehend die Besatzung informiert und haben von sich aus freiwillig den Test machen lassen. Sie wollten natürlich auch niemanden gefährden und haben absolut richtig gehandelt.

Schnelltests gab es damals noch nicht und auch wusste noch niemand so richtig wie man damit umzugehen hat. Das Drama hatte ja gerade erst angefangen.

Es ging also weiter durch den Sturm Richtung Tromsö Die Nacht war fast ebenso schrecklich wie vorher. Nicht ganz so schlimm, aber immer noch heftig. Ich habe wie verrückt Reisekaugummis gekaut und so konnte ich die Nacht ohne weitere Spuckbeutel überstehen, wenn ich auch wegen des Lärms weiterhin nicht schlafen konnte.

Den Tag an Bord konnten wir aber ganz gut rumbringen, mussten aber mehrfach in die Kabine und uns hinlegen, weil an Laufen und sich im Stehen/Sitzen mit irgendwas beschäftigen aufgrund des Seegangs nicht drin war. Das war vor allem nachmittags der Fall. Wir sind zwar am Abend ins Restaurant geschwankt….habe uns aber dann nur Brötchen gegriffen und sind damit wieder in die Kabine verschwunden.

Mission impossible…sozusagen.

Es folgten zwei wunderbare Tage in Tromsø (dazu an anderer Stelle mehr). In Tromsø haben wir uns in einer Apotheke Armbänder besorgt, die am Handgelenk einen Akkupressurpunkt drücken und somit Übelkeit verhindern sollen. Das hat auch sogar geholfen und/oder zumindest die Übelkeit reduziert. Leider drückte das nicht nur auf den Akkupressurpunkt sondern wohl auch – in meinem Fall – auf einen Nerv, der durch die defekte Schulter und den gestressten Nacken Richtung Hand führt. Nach zwei Tagen musste ich also eines der Bänder abnehmen, was die Wirkung schmälerte.

Dann fuhren wir weiter nach Ålta ganz im Norden „um die Kante“ rum nach Nord-Osten. Wellen wie gehabt – schräg von vorn…das hat uns verfolgt, in welche Richtung wir auch gefahren sind.

Nun haben wir ja die Reise gemacht, um das Nordlicht zu sehen und waren natürlich auch mit unserer guten Kamera gut ausgerüstet. In Ålta haben wir dann auch einen wunderbaren Tag verbracht, einen tollen Ausflug ins Eishotel (später mehr), bis…..

….uns unsere Kamera runterfiel und kaputt war. Genau an dem Tag, an dem abends der Ausflug ins Nordlichtcamp anstand – es war wirklich wie verhext.

Was tun?

Statt in Ålta in Ruhe das zweitgrößte Hundeschlittenrennen der Welt, den dazu aufgebauten Markt und alles in Ruhe ansehen zu können, standen wir ratlos in einem Fotogeschäft. Am Ende blieb nichts übrig als eine neue Kamera zu kaufen.

Im Laufe der Nacht stelle sich dann raus, dass wir das nicht gemusst hätten, denn es gab kein Nordlicht  (dazu später mehr).

Von Ålta aus ging es nach Trondheim – man ahnt es – im Sturm mit Wellen schräg von vorne. Irgendwie wurde das nicht besser…

Nach Abfahrt aus Trondheim ging es nach Bergen. Im Sturm. War klar, oder? Schon am Nachmittag hatte der Kapitän durchgesagt, dass es ähnlich werden würde wie in der ersten Nacht von Haugesund nach Hamburg. Wir hatten unsere Zäpfchen und Kaugummis mittlerweile fast aufgebraucht, also sind wir zur Krankenstation gegangen und haben uns da neue Zäpfchen besorgt. 8,50 Euro für die Zäpfchen, 90 Euro für die „Beratung“. Das war es wert….

Gegen 20.30 Uhr – wir saßen noch in der Bar – kam dann die Durchsage des Kapitäns, dass wir Bergen nicht mehr anfahren können, sondern direkt zurück nach Hamburg fahren. Das hatte zwei Gründe:

  1. die norwegischen Behörden haben die Grenze abgeriegelt. Das hießt für uns, dass wir hätten anlegen können, aber nicht hätten aussteigen können.
  2. der Sturm war so heftig, dass wir sowieso Bergen gar nicht hätten anfahren können.

Wir haben den Sturm der Rückfahrt überstanden und die Speibeutel hatten wir öfter in der Hand – ging aber ohne speien. Immerhin. Nicht aber ohne Lärm und Angst. Der Sturm war so heftig, dass der Kapitän nur 5-6 Knoten fahren konnte. Das ist Minimalgeschwindigkeit, um das Schiff manövrierfähig zu halten. Er hat es mit Kurswechseln versucht um nicht so schräg gegen die Wellen zu stehen und wir fuhren sogar nachts mal Richtung Westen (Amerika) – leider war das alles nicht von Erfolg gekrönt, wie er selber am nächsten Tag in seiner Durchsage bekannt gab.

Die gute Nachricht war, dass der am Morgen Wind gedreht hatte – endlich! Die Windstärke war immer noch bei 8-9, aber zum ersten mal konnten wir den Unterschied zu „Wellen abreiten“ merken. Kein Lärm, kein Rumkugeln im Bett….nur Geschaukel, aber aushaltbar. Von der „nautischen Offizierin Sandra von der Brücke“ (so meldete sie sich immer) haben wir auch noch gelernt, dass mehrere Faktoren verantwortlich sind. Also nicht nur die Windstärke, sondern eben auch die Windrichtung und ob die Wellen von weit her kommen (hohe Dünung) oder ob es ein lokal begrenzter Wind ist. Weiterhin ist noch die Meerestiefe ausschlaggebend, die in der norwegischen See ca. 300 Meter betrug und in der Nordsee knapp 50 Meter.

So kamen wir dann bei strahlendem Sonnenschein in Hamburg an.

Für den Wind kann kein Mensch was. Aida hat alles getan um uns die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Und Nordlichter kann man nicht bestellen – wenn sie nicht da sind, sind sie nicht da. Und die kaputte Kamera – wird uns einiges kosten, denn der Fotosensor ist defekt.

ABER wir haben trotzdem viele schöne Dinge erlebt. Die arktische Welt ist wunderschön, faszinierend – es gehen einem die Superlative aus. Dazu werde ich in den kommenden Tagen berichten.

Ich finde, ich bin ein Held! Das überstanden zu haben….

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